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Pensionen: Was FPÖ, ÖVP und SPÖ wollen

Höheres Pensionsalter, mehr Anreize für längeres Arbeiten oder bessere Absicherung niedriger Pensionen? Die Parteien verfolgen unterschiedliche Reformansätze.

Zuletzt aktualisiert: 9. Oktober 2026

Österreichs Pensionssystem steht unter finanziellem Druck. Die Bevölkerung altert, die Zahl der Pensionisten steigt und damit auch die Belastung für das Budget. Die Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS hat mit der Verschärfung der Korridorpension und der Einführung der Teilpension erste Reformen umgesetzt. Mit der Aktivpension folgt 2027 eine weitere Maßnahme. Doch wie weit sollen die Reformen gehen? Vor allem beim gesetzlichen Pensionsalter und bei der Finanzierung der Altersvorsorge unterscheiden sich die Positionen der Parteien.

FPÖ und ÖVP: Unterschiedliche Wege bei der Pensionsreform

Die FPÖ lehnt eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters ebenso ab wie eine automatische Anpassung an die steigende Lebenserwartung. FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch bekräftigte diese Position im Juni 2026 als Reaktion auf entsprechende Forderungen der NEOS.

Stattdessen wollen die Freiheitlichen die abschlagsfreie Frühpension nach 45 Arbeitsjahren wieder einführen. Einen entsprechenden Antrag behandelte der Sozialausschuss des Nationalrats im Februar 2026. Er wurde vertagt. Quelle: Parlament

Die ÖVP setzt vor allem auf Anreize, damit Menschen länger arbeiten. Dazu gehört die Aktivpension, die ab 2027 einen steuerbegünstigten Zuverdienst nach Erreichen des Regelpensionsalters ermöglicht. ÖVP-Sozialsprecher August Wöginger begründete die Reform im Nationalrat damit, dass sich Arbeit auch neben der Pension finanziell lohnen müsse. Quelle: Parlament, 23. September 2026

Zudem unterstützt die ÖVP den Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge. Das Regierungsprogramm sieht außerdem einen Nachhaltigkeitsmechanismus vor, der bei höheren Pensionsausgaben zusätzliche Reformschritte auslösen soll. Eine automatische Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters ist derzeit nicht beschlossen.

SPÖ: Gesetzliches Pensionsalter beibehalten

Die SPÖ will am bestehenden gesetzlichen Pensionsantrittsalter festhalten und das tatsächliche Antrittsalter durch bessere Arbeitsbedingungen erhöhen. In einem Antrag zum Bundesparteitag im März 2026 forderte sie altersgerechte Arbeitsplätze, betriebliche Gesundheitsförderung und ein Bonus-Malus-System für Unternehmen, das die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer fördern soll.

Zudem sollen die gesetzlichen Pensionen grundsätzlich an die Inflation angepasst und die Ausgleichszulage bis 2029 schrittweise an die Armutsgrenze herangeführt werden. Quelle: SPÖ, Anträge zum Bundesparteitag 2026

Als Regierungspartei trägt die SPÖ allerdings auch die Pensionsanpassung 2026 mit, bei der höhere Pensionen nicht vollständig um die Inflation erhöht wurden.

Die neue Aktivpension unterstützt die SPÖ ebenfalls. Sozialsprecher Josef Muchitsch verwies im September im Nationalrat darauf, dass Menschen, die über das gesetzliche Pensionsalter hinaus arbeiten können und wollen, davon profitieren sollen.

NEOS: Pensionsalter an Lebenserwartung koppeln

Die NEOS fordern die deutlichste Änderung beim gesetzlichen Pensionsalter. Sie wollen dieses schrittweise an die steigende Lebenserwartung koppeln. Nach ihrer Auffassung reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus, um die langfristige Finanzierung des Systems zu sichern.

In ihrem aktuellen Pensionsprogramm verweisen die NEOS auf die steigenden Bundesausgaben und den demografischen Wandel. Der beschlossene Nachhaltigkeitsmechanismus soll sichtbar machen, ob die Pensionsausgaben vom vorgesehenen Finanzpfad abweichen. Bei einer Überschreitung müssen weitere Maßnahmen folgen.

Darüber hinaus fordern die NEOS ein automatisches Pensionssplitting mit Widerspruchsmöglichkeit. Pensionsgutschriften aus Erwerbstätigkeit sollen während der Kindererziehungsphase zwischen den Eltern aufgeteilt werden, um Nachteile durch Erwerbsunterbrechungen zu verringern.

Grüne: Gegen Aktivpension, für Beschäftigung Älterer

Die Grünen lehnen die neue Aktivpension in ihrer beschlossenen Form ab. Ihr Sozialsprecher Markus Koza kritisierte im September 2026, dass Erwerbstätige nach Erreichen des Regelpensionsalters steuerlich besser behandelt würden als jüngere Arbeitnehmer mit vergleichbarem Einkommen.

Stattdessen fordern die Grünen ein Bonus-Malus-System für Unternehmen. Betriebe, die überdurchschnittlich viele ältere Menschen beschäftigen, sollen Vorteile erhalten, während Unternehmen mit geringer Beschäftigung Älterer zusätzliche Beiträge leisten sollen.

Auch eine Begrenzung besonders hoher Pensionen gehört zu ihren Forderungen. Einen entsprechenden Antrag behandelte der Sozialausschuss im Februar 2026. Quelle: Parlament

Was sich bei den Pensionen 2026 und 2027 ändert

Unabhängig von den unterschiedlichen Parteipositionen sind bereits mehrere Reformen beschlossen:

Korridorpension: Seit Jänner 2026 steigen das frühestmögliche Antrittsalter schrittweise von 62 auf 63 Jahre und die erforderlichen Versicherungszeiten von 40 auf 42 Jahre. Die Änderungen erfolgen abhängig vom Geburtsdatum in Zweimonatsschritten. Quelle: oesterreich.gv.at

Teilpension: Seit 1. Jänner 2026 können Beschäftigte mit entsprechendem Pensionsanspruch ihre Arbeitszeit um 25 bis 75 % reduzieren und gleichzeitig einen Teil ihrer Pension beziehen. Dafür ist die Zustimmung des Arbeitgebers erforderlich. Weitere Informationen dazu: Pensionsversicherung

Pensionserhöhung: Pensionen bis zu einem monatlichen Gesamtpensionseinkommen von 2.500 Euro wurden 2026 um 2,7 % erhöht. Darüber beträgt die Erhöhung pauschal 67,50 Euro. Quelle: Sozialministerium

Aktivpension: Ab 1. Jänner 2027 können Menschen, die das Regelpensionsalter erreicht haben und weiterarbeiten, einen Steuerfreibetrag von bis zu 1.250 Euro monatlich nutzen. Zudem entfallen für Beschäftigte im Regelpensionsalter die eigenen Pensionsversicherungsbeiträge. Der Bundesrat gab der Reform am 8. Oktober 2026 grünes Licht. Quelle: Parlament

Streitpunkt Pensionsalter

Die bisherigen Reformen sollen vor allem dazu beitragen, Menschen länger im Erwerbsleben zu halten. Eine generelle Anhebung des gesetzlichen Regelpensionsalters wurde nicht beschlossen.

Während die NEOS eine Kopplung an die Lebenserwartung fordern, lehnen FPÖ und SPÖ eine solche Erhöhung ab. Die ÖVP setzt im Rahmen der Regierungsvereinbarung auf längeres Arbeiten, steuerliche Anreize und zusätzliche betriebliche Vorsorge. Die Grünen wollen vor allem die Beschäftigung älterer Menschen fördern.

Ob diese Maßnahmen ausreichen, um die steigenden Pensionsausgaben langfristig zu finanzieren, bleibt offen.

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