Die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher zweifelt daran, dass die staatliche Pension im Alter ausreichen wird, wie eine repräsentative Umfrage zeigt. Präsentiert wurde die Studie von Martin Sardelic, Vorstandsvorsitzender der Valida Vorsorge Management, gemeinsam mit Philipp Mayer, Vorstandsmitglied, und Stephan Duttenhöfer, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Spectra.
Für die Erhebung wurden rund 1.900 Personen zwischen 18 und 60 Jahren in Österreich befragt.
Wenig Vertrauen in die staatliche Pensionsvorsorge
„Das umlagefinanzierte Pensionssystem überzeugt die Österreicher aktuell nicht“, fasste Duttenhöfer die Ergebnisse zusammen. Besonders Frauen und junge Menschen zeigen geringe Zuversicht.
- 58 % glauben nicht, von der staatlichen Pension gut leben zu können.
- 30 % sind unsicher.
- Nur 17 % antworten mit „Ja“.
- Unter Frauen sind es 12 %, bei den unter 30‑Jährigen 13 %.
Die erwartete Pensionslücke liegt laut Studie mittlerweile bei bis zu 1.243 Euro – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2022 (824 Euro).
Breite Zustimmung zu Reformen
Laut Sardelic haben sich viele Menschen noch zu wenig mit ihrer eigenen Vorsorge beschäftigt. Gleichzeitig rückt das Thema durch die Regierungsverhandlungen wieder stärker in den Fokus.
Die Reformbereitschaft ist hoch:
- 69 % unterstützen die geplante Teilpension, um Arbeiten im Alter zu fördern.
- 61 % sprechen sich für eine Anhebung des Antrittsalters bei der Korridorpension aus.
- 47 % befürworten ein Pensionssplitting zugunsten des Elternteils mit längerer Kinderbetreuung.
- 38 % sind für eine einmalige oder schrittweise Anhebung des Pensionsantrittsalters.
- 59 % wünschen sich, dass der Staat durch Investitionen in Wertpapiere zusätzliche Mittel für Pensionen erwirtschaftet.
Klare Mehrheit für eine stärkere zweite Säule
Die betriebliche Vorsorge – die zweite Säule – spielt derzeit nur eine geringe Rolle: Rund 4 % der Pensionen stammen aus diesem Bereich, 90 % aus der ersten Säule.
Die Bevölkerung sieht das anders:
- Im Durchschnitt wünschen sich die Befragten einen Anteil von 26 % aus der zweiten Säule.
- 69 % fordern verpflichtende betriebliche Vorsorgelösungen für alle Arbeitnehmer.
- 80 % sprechen sich für eine Steuerbefreiung von Eigenbeiträgen zur Pensionskasse aus.
- 44 % wären bereit, einen Teil ihres Gehalts für Pensionskassenbeiträge umzuwidmen.
- Ebenfalls 80 % unterstützen die Forderung, dass die Abfertigung Neu grundsätzlich als Zusatzpension verwendet werden soll – mit vorzeitiger Auszahlung nur in finanziellen Notlagen.
Betriebliche Vorsorge in Kollektivverträgen verankern
Mayer erläuterte Reformvorschläge, die sich an skandinavischen Modellen orientieren. Ziel sei ein stabileres, gerechteres und zukunftsfähiges Pensionskassensystem.
Dazu zählen:
- Berücksichtigung betrieblicher Vorsorgelösungen in allen Kollektivverträgen
- ein gesetzlicher Anspruch, Teile des Gehalts in eine Pensionskasse umzuwidmen
- ein breiter Zugang zu Zusatzpensionen für alle Erwerbstätigen
„Lebensphasenmodell für alle“
Mayer präsentierte außerdem ein Konzept zur Modernisierung des Pensionskassensystems, das ohne zusätzlichen finanziellen Aufwand umsetzbar wäre.
Das Modell sieht vor:
- eine altersabhängige Veranlagungsstrategie
- dynamische Veranlagung für junge Menschen mit langfristigem Horizont
- konservative Veranlagung für Pensionistinnen und Pensionisten zur Stabilisierung der Auszahlungsbeträge
Sardelic betonte abschließend: „Wir sehen jetzt die Chance, dass sich politisch etwas ändert.“
Autor: Rudolf Preyer
