Lenzing-Aktie: Was die Kapitalerhöhung für Anleger bedeutet
„Hier ist ein großes, sinkendes Schiff unterwegs, das einmal Weltmarktführer war“, kritisierte ein Aktionär. Ein anderer bezeichnete Lenzing dagegen als „Leuchtturm der Region“. Genau zwischen diesen beiden Polen bewegte sich die außerordentliche Hauptversammlung.
Das Wichtigste in Kürze
- Lenzing plant eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Mio. Euro.
- B & C, Suzano und Oberbank übernehmen entsprechend ihrer Beteiligungen 56 %.
- Drei Standorte werden geschlossen, Wertminderungen von bis zu 150 Mio. Euro drohen.
- Mittelfristig strebt Lenzing eine EBITDA-Marge von 20 bis 25 % an.
- Der Verschuldungsgrad soll auf unter 2,5 sinken.
- Aktionäre müssen entscheiden, ob sie sich an der Kapitalerhöhung beteiligen.
- Die Lenzing-Aktie hat in den vergangenen fünf Jahren 76 % verloren.
(25.08.2026) 72 Aktionäre und Aktionärsvertreter hatten sich am vergangenen Dienstag in Lenzing zu einer außerordentlichen Hauptversammlung versammelt und vertraten fast 69 % des Grundkapitals. Auf der Tagesordnung standen einerseits die Wahl des designierten Oberbank-CEOs Martin Seiter als Nachfolger von Franz Gasselsberger, der sein Aufsichtsratsmandat vorzeitig zurückgelegt hatte, andererseits eine Kapitalerhöhung um bis zu 300 Millionen Euro.
Neue Strategie soll Lenzing profitabler machen
CEO Georg Kasperkovitz und CFO Mathias Breuer stellten die neue Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ (der Börsen-Kurier berichtete) nochmals kurz vor und erläuterten den Weg zu künftiger Profitabilität: profitables Volumenswachstum bei Nonwovens-Fasern; eine weitere deutliche Kostenreduktion; eine Reduktion des nicht profitabel eingesetzten Kapitals sowie Investitionen in Schlüsselinnovationen (u.a. in Lenzing-Nonwovens-Technologie, TreeToTextile, Filament).
Das soll insbesondere auch durch die Schließung von drei Standorten in Indonesien, im englischen Grimsby sowie in Heiligenkreuz im Burgenland umgesetzt werden und wird zunächst zu einem kurzfristigen Umsatzrückgang führen. Weitere finanzielle Folgen werden Wertminderungen bis zu 150 Millionen Euro und Restrukturierungsrückstellungen in Höhe von 40 Millionen Euro sein.
Lenzing plant Kapitalerhöhung über 300 Millionen Euro
Die Erhöhung des Grundkapitals um bis zu 300 Millionen Euro wird von den Kernaktionären B & C, Suzano und Oberbank, entsprechend ihrem Anteilsbesitz, zu 56 % übernommen. Der Rest wird von einem Bankenkonsortium garantiert, das Bezugsrecht aller Aktionäre jedoch gewahrt. Parallel zur Kapitalerhöhung soll auch ein Fremdfinanzierungspaket in Höhe von 300 Millionen Euro umgeschuldet werden.
Lenzing will Verschuldung deutlich reduzieren
Durch diese Maßnahmen strebt Lenzing mittelfristig eine Ebitda-Marge zwischen 20 und 25 % (30.6.2026: 19 %) an, einen Verschuldungsgrad von unter 2,5 x (per 31.12.2025: 3,3 x) sowie eine Steigerung des Ebitda von rund 150 Millionen Euro.
Ein Aktionär: „Hier ist ein großes, sinkendes Schiff unterwegs, das einmal Weltmarktführer war.“
Lenzing-Aktie: Aktionäre stellen kritische Fragen
„Hier ist ein großes, sinkendes Schiff unterwegs, das einmal Weltmarktführer war“, eröffnete ein Aktionär die Aussprache und hinterfragte, wohin denn eigentlich die 400 Millionen Euro aus der letzten Kapitalerhöhung von 2023/24 geflossen seien. Weiters wollte er wissen, ob jetzt jemand Neuer einsteigen werde. Das ließ auch andere Aktionäre nachfragen, was denn mit den jungen Lenzing-Aktien, auf denen das Bankenkonsortium eventuell sitzen bleibt, geschehe sowie, ob Suzano bei einem derartigen Szenario eventuell ihre Option gegenüber B & C ausüben und damit zum neuen, bestimmenden Lenzing-Aktionär aufsteigen könne.
Ein Ex-Lenzing-Mitarbeiter und aktuell lokaler Unternehmer bezeichnete Lenzing als „Leuchtturm der Region“ und wünschte sich, dass dieser weiterhin hell leuchtet. Dafür regte er eine Kapitalerhöhung von 400 bis 500 statt 300 Millionen Euro an. Ein bekannter oberösterreichischer Aktionär verwies auf die erfolgreiche KTM-Sanierung und wollte wissen, wie viele Management-Ebenen denn bei Lenzing eingespart werden würden. Außerdem interessierte ihn der durch die Schließungen ausgelöste voraussichtliche Umsatzrückgang je Standort.
Vorstand lässt wichtige Aktionärsfragen offen
Die Beantwortung der Aktionärsfragen erfolgte, ähnlich wie bei der ordentlichen Hauptversammlung im April, sehr formell, durch Ablesen vom Bildschirm, und manches Mal auch am Kern der Frage vorbei: Zum Optionsrecht von Suzano wollten weder CFO noch AR-Vorsitzender etwas sagen; das sei – no na! – Sache von Suzano. Das Bankenkonsortium werde auf keinen jungen Lenzing-Aktien „sitzen“ bleiben, aufgrund des vorgesehenen Bezugsrechtshandels (?)!
Die Einsparung von Managementebenen bei Lenzing und der Umsatz je Werk wurden nicht beantwortet. Eine höhere Kapitalerhöhung als 300 Millionen Euro sei aufgrund der Balance von Eigen- und Fremdkapital nicht möglich. Insgesamt ist es Vorstand und Aufsichtsrat nicht gelungen, dem privaten Aktionariat eine Aufbruchstimmung zu vermitteln. So wurde bereits nach zwei Stunden der „Schluss der Generaldebatte“ verkündet und zu den Abstimmungen geschritten.
Kapitalerhöhung: Sollen Lenzing-Aktionäre mitziehen?
Beide TOPs wurden mit mehr als 98 % der vertretenen Stimmen angenommen. Etwas ratlos verließen die Lenzing-Aktionäre Lenzing an der Ager und haben nun Zeit, zu überlegen, ob sie bei der Kapitalerhöhung, die bis 25.2.2027 durchgeführt werden muss, teilnehmen werden oder nicht.
Dr. Michael Knap berichtete live aus der HV
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