Semperit-Aktie: Gewinnprognose erneut deutlich erhöht
Semperit erwartet nach der erfolgreichen Restrukturierung einen kräftigen Gewinnsprung. Die Aktie hat bereits deutlich zugelegt, dennoch überwiegen die Kaufempfehlungen der Analysten. Wie viel Kurspotenzial bleibt und welche Risiken sollten Anleger beachten?
Semperit-Aktie: Das Wichtigste in Kürze
- Prognose 2026: Operatives EBITDA von rund 115 Millionen Euro erwartet, 15 % mehr als bisher.
- Kursziele: Analysten sehen die Aktie zwischen 17,80 und 23,50 Euro.
- Bewertung: Erwartetes KGV 2028 von rund 8,2 auf Basis der Baader-Gewinnschätzung.
- Dividende: Baader prognostiziert für 2026 eine Ausschüttung von 0,55 Euro je Aktie.
- Cashflow: Im ersten Halbjahr 2026 auf 30,4 Millionen Euro mehr als verdoppelt.
Erstveröffentlichung am 28.08.2026, aktualisiert am 29.10.2026
Die Semperit-Aktie rückt nach der erfolgreichen Restrukturierung wieder stärker in den Fokus der Anleger. Der österreichische Industriekonzern hat seine Ergebnisprognose für 2026 am 12. Oktober erneut angehoben. Statt der bisher erwarteten 100 Millionen Euro rechnet Semperit nun mit einem operativen EBITDA von rund 115 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahreswert von 79,5 Millionen Euro entspricht das einem Anstieg von rund 45 %.
Die Börse hat die operative Trendwende bereits honoriert: Seit Jahresbeginn legte die Semperit-Aktie in der Spitze um mehr als 50 % zu. Auch für die kommenden Jahre erwarten Analysten weitere Gewinnsteigerungen und eine Rückkehr zur Dividende.
Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob die Semperit-Aktie nach der Gewinnwende noch attraktiv bewertet ist. Bei einem zuletzt herangezogenen Aktienkurs von 19,30 Euro reichen die veröffentlichten Analystenkursziele von 17,80 bis 23,50 Euro. Das entspricht einer Spanne zwischen rund 8 % Abwärtspotenzial und 22 % möglichem Kursgewinn.
Gewinnprognose erneut erhöht
Die neuerliche Prognoseanhebung vom 12. Oktober geht auf eine besser als erwartete Geschäftsentwicklung im dritten Quartal zurück. Nach vorläufigen Berechnungen dürfte Semperit ein EBITDA von rund 27 Millionen Euro erzielt haben, gegenüber 21,3 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Für die ersten neun Monate zeichnet sich ein berichtetes EBITDA von rund 94 Millionen Euro ab, nach 52 Millionen Euro im Vergleichszeitraum 2025.
Die Semperit-Aktie könnte von dieser Entwicklung auch längerfristig profitieren, sofern es dem Unternehmen gelingt, die höhere Profitabilität nachhaltig abzusichern.
Allerdings berücksichtigt die angehobene Prognose für das operative EBITDA nicht die für 2026 erwarteten Projektkosten von rund 5 Millionen Euro. Hinzu kommt im dritten Quartal eine einmalige, nicht zahlungswirksame Wertminderung von voraussichtlich 8 Millionen Euro. Sie steht im Zusammenhang mit der geplanten Veräußerung nicht zum Kerngeschäft gehörender Vermögenswerte und belastet das operative Ergebnis (EBIT).
Semperit-Aktie: Kaufempfehlungen überwiegen
Die Mehrheit der Analysten beurteilt die Semperit-Aktie positiv. Laut Investing.com empfehlen vier von fünf erfassten Experten die Aktie zum Kauf, einer zum Halten. Verkaufsempfehlungen gibt es in dieser Erhebung nicht. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 21,57 Euro.
Die einzelnen Einschätzungen unterscheiden sich allerdings:
- NuWays: 23,50 Euro, Kaufen. Im Oktober wurde das Kursziel von 22 auf 23,50 Euro angehoben.
- Baader Bank: 20 Euro, Kaufen. Analyst Volker Bosse bestätigte nach der Prognoseanhebung seine Kaufempfehlung.
- Warburg Research: 22 Euro. Die Einschätzung stammt vom Mai 2026.
- Erste Group: 17,80 Euro. Das im August veröffentlichte Kursziel liegt unter dem zuletzt herangezogenen Aktienkurs von 19,30 Euro.
Der Analystenkonsens spricht damit für weiteres Kurspotenzial. Entscheidend bleibt, ob Semperit die deutlich gestiegenen Margen nachhaltig halten und die erwarteten Gewinnsteigerungen realisieren kann.
Semperit-Aktie: Moderate Bewertung, sofern Ergebnis steigt
Ein Argument für die Aktie ist das erwartete Gewinnwachstum. Nach den zuletzt genannten Schätzungen der Baader Bank könnte der Gewinn je Aktie von 1,42 Euro im Jahr 2026 auf 1,94 Euro im Jahr 2027 und 2,36 Euro im Jahr 2028 steigen. Bei einem Aktienkurs von 19,30 Euro entspricht das einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13,6 für 2026, 9,9 für 2027 und 8,2 für 2028. Die Bewertung erscheint damit moderat, sofern die prognostizierten Ergebnissteigerungen tatsächlich erreicht werden.
Auch die Bewertung unter dem Buchwert könnte für Anleger interessant sein. Allerdings ist Semperit ein zyklischer Industriewert. Ein niedriges KGV oder ein Kurs unter dem Buchwert bedeutet daher nicht automatisch, dass eine Aktie unterbewertet ist. Sollten sich die Industriekonjunktur abschwächen oder die Rohstoffkosten wieder deutlich steigen, könnten die Gewinne hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Wie Anleger solche Risiken erkennen und Kennzahlen richtig einordnen, zeigt der Börsen-Kurier-Leitfaden Unterbewertete Aktien finden: Auf diese Kennzahlen kommt es an.
Cashflow zuletzt mehr als verdoppelt
Auch beim Cashflow zeigt sich die erfolgreiche Restrukturierung. Während Semperit 2022 noch einen Free Cashflow vor Unternehmensverkäufen von minus 2,8 Millionen Euro auswies, waren es 2025 bereits positive 37 Millionen Euro.
Im ersten Halbjahr 2026 hat sich der Free Cashflow gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 30,4 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Gleichzeitig verbesserte sich die Eigenkapitalquote auf rund 49,5 %. Die Nettofinanzverschuldung sank von 92 Millionen Euro Ende 2025 auf 79,9 Millionen Euro, während die liquiden Mittel von 94,8 auf 106,5 Millionen Euro stiegen.
Nach dem Verkauf des Medizingeschäfts konzentriert sich Semperit auf industrielle Elastomer-Produkte. Dazu zählen unter anderem Hydraulikschläuche, Profile, Förderbänder und Flüssigsilikon. Die stärkere Bilanz eröffnet dem Konzern zusätzlichen Spielraum für Investitionen und mögliche Akquisitionen.
Rückkehr zur Dividende erwartet
Auch für dividendenorientierte Anleger könnte Semperit wieder interessanter werden. Für das Geschäftsjahr 2025 wurde keine Dividende ausgeschüttet, nachdem für 2024 noch 0,50 Euro je Aktie bezahlt worden waren. Die Dividendenpolitik des Unternehmens sieht vor, rund 50 % des Ergebnisses nach Steuern auszuschütten. Voraussetzung sind eine entsprechend positive Geschäftsentwicklung und das Ausbleiben außergewöhnlicher Umstände.
Die Baader Bank rechnet für das Geschäftsjahr 2026 mit einer Dividende von 0,55 Euro je Aktie. Für 2027 werden 0,65 Euro und für 2028 bereits 0,80 Euro erwartet. Beim Aktienkurs von 19,30 Euro entspräche dies einer prognostizierten Dividendenrendite von 2,8 %, 3,4 % beziehungsweise 4,1 %.Die Ausschüttungen sind allerdings noch nicht beschlossen. Ob und in welcher Höhe Semperit wieder eine Dividende zahlen wird, hängt von der weiteren Geschäftsentwicklung und den entsprechenden Unternehmensbeschlüssen ab.
Semperit: Turnaround geschafft
Bereits im ersten Halbjahr 2026 war Semperit die Rückkehr in die Gewinnzone gelungen. Bei einem Umsatzanstieg von 11,1 % auf 355,9 Millionen Euro konnte das EBITDA mit 66,6 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden. Die EBITDA-Marge stieg von 9,6 auf 18,7 %, während das Ergebnis nach Steuern mit 28,6 Millionen Euro wieder positiv ausfiel.
„Mehr Volumen, eine bessere Auslastung und die konsequente Umsetzung unserer Kosten- und Effizienzmaßnahmen haben die Profitabilität deutlich gestärkt“, erklärte Semperit-CEO Manfred Stanek. Wie Stanek gegenüber dem Börsen-Kurier ausführte, war die positive Entwicklung bereits im zweiten Halbjahr 2025 sichtbar geworden. Grundlage dafür waren umfangreiche Kosten- und Effizienzprogramme, mit denen bereits 2023 begonnen wurde. Die Strukturen wurden verschlankt, die Auslastung verbessert und die Kostenbasis reduziert.
Semperit zählt damit zu jenen österreichischen Industrieunternehmen, bei denen die operative Erholung bereits in den Geschäftszahlen sichtbar wird. Weitere Beispiele analysiert der Börsen-Kurier im Beitrag Turnaround-Aktien: Comeback-Chancen an der Wiener Börse.
Semperit-Aktie: Die Risiken
Trotz der erfolgreichen Gewinnwende bestehen für die Semperit-Aktie weiterhin Risiken:
- Schwache Industriekonjunktur: Semperit ist stark von der internationalen Industrienachfrage abhängig. Eine konjunkturelle Abschwächung könnte Umsatz und Gewinne belasten.
- Steigende Rohstoff- und Beschaffungskosten: Höhere Kosten könnten die Margen unter Druck setzen. Entscheidend wird sein, ob Semperit diese durch höhere Verkaufspreise, Effizienzsteigerungen und eine bessere Auslastung ausgleichen kann.
- Geringe Planungssicherheit: Viele Kunden bestellen weiterhin kurzfristig. Dadurch bleibt die Geschäftsentwicklung schwer vorhersehbar. Auch geopolitische Unsicherheiten erhöhen die Risiken.
- Geringe Handelsliquidität: Die B&C-Gruppe hält seit Juni 2026 rund 63,45 % der Aktien, weitere rund 10 % entfallen auf Alain de Krassny. Damit befinden sich rechnerisch nur rund 26,5 % im Streubesitz. Die hohe Eigentümerkonzentration kann den Handel erschweren und ist auch für Minderheitsaktionäre relevant.
Im Frühjahr hatte B&C ihre Beteiligung durch ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot deutlich ausgebaut. Ein unmittelbarer Börsenrückzug wurde damals nicht angekündigt.
Hintergründe zum Übernahmeangebot und zur Eigentümerstruktur bietet der Börsen-Kurier-Artikel Semperit: Übernahmeangebot und Hauptversammlung 2026.
Quartalszahlen am 12. November: Was Anleger erwarten können
Neue Hinweise auf die Nachhaltigkeit des Aufschwungs dürfte die Veröffentlichung der detaillierten Quartalszahlen am 12. November 2026 liefern. Dann wird Semperit auch einen aktualisierten Einblick in die Nachfrageentwicklung und die Belastungen durch höhere Rohstoffkosten geben.
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der Konzern seine operative Profitabilität trotz des schwierigen Marktumfelds halten kann. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt ein Wechsel im Vorstand: Richard Kelsey übernimmt mit 1. November die Funktion des Finanzvorstands von Helmut Sorger. Entscheidend für die weitere Entwicklung der Semperit-Aktie wird insbesondere sein, ob das Management die angehobene EBITDA-Prognose bestätigt und positive Signale für das Geschäftsjahr 2027 liefert.
Semperit-Aktie: Lohnt sich ein Einstieg?
Die fundamentalen Aussichten haben sich deutlich verbessert. Semperit erwirtschaftet wieder Gewinne, der Free Cashflow steigt und die Bilanz hat sich stabilisiert. Zudem lassen die für 2027 und 2028 erwarteten Gewinnsteigerungen die Bewertung vergleichsweise günstig erscheinen.
Allerdings ist ein Teil der positiven Entwicklung bereits im Aktienkurs berücksichtigt. Während NuWays mit einem Kursziel von 23,50 Euro noch deutliches Aufwärtspotenzial sieht, liegt das Ziel der Baader Bank mit 20 Euro nur knapp über dem zuletzt herangezogenen Kurs. Die Erste Group ist mit 17,80 Euro noch vorsichtiger.
Für langfristig orientierte Anleger, die auf eine Fortsetzung der industriellen Erholung setzen, könnte die Aktie dennoch interessant sein. Entscheidend wird sein, ob Semperit die gestiegene Profitabilität auch bei schwierigeren Marktbedingungen halten und die erwarteten Gewinnzuwächse realisieren kann.
Autoren: Michael Kordovsky, Patrick Baldia, Stefan Riedel
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