Lenzing-Aktie: Was die Kapitalerhöhung für Anleger bedeutet
Die Kapitalerhöhung bei Lenzing läuft: Aktionäre können bis 20. Oktober neue Aktien um 8,65 Euro beziehen. Was Anleger über Bezugsrechte, Fristen und die finanziellen Folgen wissen müssen.
Das Wichtigste in Kürze
- Lenzing führt eine Kapitalerhöhung mit einem Bruttoerlös von rund 300 Mio. Euro durch
- Der Bezugspreis beträgt 8,65 Euro je neuer Aktie, das Bezugsverhältnis 10:9
- Die Bezugsfrist läuft bis 20. Oktober 2026, Bezugsrechte können bis 14. Oktober gehandelt werden.
- B&C, Suzano und Oberbank haben die Teilnahme zugesagt. Die Kapitalerhöhung ist vollständig garantiert.
- Drei Standorte werden geschlossen, Wertminderungen von bis zu 150 Mio. Euro drohen.
- Mittelfristig strebt Lenzing eine EBITDA-Marge von 20 bis 25 % an.
- Der Verschuldungsgrad soll auf unter 2,5 sinken.
- Nicht ausgeübte oder verkaufte Bezugsrechte verfallen wertlos.
Erstveröffentlichung: 25. August 2026 | Aktualisiert: 12. Oktober 2026
Lenzing-Kapitalerhöhung: Bezugspreis und Fristen stehen fest
Die bereits Ende August beschlossene Kapitalerhöhung der Lenzing AG ist angelaufen. Wie der österreichische Faserhersteller am 1. Oktober mitteilte, werden 34.756.362 neue Aktien zu einem Bezugspreis von 8,65 Euro ausgegeben. Damit sollen rund 300 Millionen Euro frisches Kapital hereinkommen. Der Bezugspreis entspricht einem Abschlag von 42,5 % auf den theoretischen Aktienkurs ohne Bezugsrechte, berechnet auf Basis des Schlusskurses vom 30. September 2026.
Das Bezugsverhältnis beträgt 10:9. Für jeweils zehn bestehende Lenzing-Aktien können Aktionäre neun neue Aktien erwerben. Die Bezugsfrist läuft vom 6. bis einschließlich 20. Oktober 2026. Die Bezugsrechte selbst werden laut Ad-hoc-Meldung des Unternehmens nur bis 14. Oktober an der Wiener Börse gehandelt. Der Handel mit den neuen Aktien soll am 23. Oktober beginnen.
Was bedeutet die Kapitalerhöhung für Lenzing-Aktionäre?
Bestehende Aktionäre haben grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Sie können ihre Bezugsrechte ausüben und damit neue Aktien erwerben oder ihre Bezugsrechte während des Handelszeitraums verkaufen.
Wer seine Bezugsrechte weder ausübt noch rechtzeitig verkauft, verliert deren Wert. Zudem verringert sich durch die Ausgabe neuer Aktien der prozentuelle Anteil am Unternehmen, wenn Aktionäre nicht entsprechend mitziehen. Bei vollständiger Durchführung der Kapitalerhöhung steigt die Zahl der Lenzing-Aktien von rund 38,6 auf 73,4 Millionen.
Ein Beispiel: Wer 100 Lenzing-Aktien besitzt und über die entsprechenden Bezugsrechte verfügt, kann 90 neue Aktien um insgesamt 778,50 Euro beziehen. Damit bleibt seine Beteiligungsquote grundsätzlich erhalten. Wer nicht teilnimmt, hält weiterhin 100 Aktien, sein prozentueller Anteil am Unternehmen sinkt jedoch.
Aktionäre sollten die Fristen ihrer Depotbank beachten, die früher enden können als die offizielle Bezugsfrist. Auch Spesen können anfallen.
Weitere Informationen zur Bezugsaufforderung finden Sie hier: evi.gv.at | Lenzing Aktiengesellschaft Bezugsaufforderung 02.10.2026
Neue Strategie soll Lenzing profitabler machen
Bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 25. August hatten CEO Georg Kasperkovitz und CFO Mathias Breuer die neue Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ (der Börsen-Kurier berichtete) nochmals kurz vorgestellt und den Weg zu künftiger Profitabilität erläutert: profitables Volumenwachstum bei Nonwovens-Fasern; eine weitere deutliche Kostenreduktion; eine Reduktion des nicht profitabel eingesetzten Kapitals sowie Investitionen in Schlüsselinnovationen (u. a. in Lenzing-Nonwovens-Technologie, TreeToTextile, Filament).
Das soll insbesondere auch durch die Schließung von drei Standorten in Indonesien, im englischen Grimsby sowie in Heiligenkreuz im Burgenland umgesetzt werden und wird zunächst zu einem kurzfristigen Umsatzrückgang führen. Weitere finanzielle Folgen werden Wertminderungen bis zu 150 Millionen Euro und Restrukturierungsrückstellungen in Höhe von 40 Millionen Euro sein.
Lenzing-Kapitalerhöhung vollständig garantiert
Die Kapitalerhöhung über rund 300 Millionen Euro wird von den Kernaktionären B&C, Suzano und Oberbank entsprechend ihrem bisherigen Anteilsbesitz unterstützt. Zusammen hatten sie ursprünglich die Übernahme von rund 56 % zugesagt. Der Rest wird von einem Bankenkonsortium garantiert, das Bezugsrecht aller Aktionäre bleibt gewahrt.
Inzwischen steht auch fest, dass Suzano einen Teil seiner Bezugsrechte an die B&C-Gruppe verkauft hat. Dadurch soll sich die indirekte Beteiligung der B&C-Gruppe nach Abschluss der Kapitalerhöhung auf rund 39,64 % erhöhen, während Suzano künftig rund 12,60 % halten soll. Die Oberbank beteiligt sich mit rund 11,6 Millionen Euro.
Parallel zur Kapitalerhöhung sieht die Refinanzierung neue Finanzierungsvereinbarungen von bis zu 300 Millionen Euro sowie die Verlängerung bestehender Finanzverbindlichkeiten bis 2030 vor.
Lenzing will Verschuldung deutlich reduzieren
Durch diese Maßnahmen strebt Lenzing mittelfristig eine EBITDA-Marge zwischen 20 und 25 % (30.6.2026: 19 %) an, einen Verschuldungsgrad von unter 2,5 x (per 31.12.2025: 3,3 x) sowie eine Steigerung des EBITDA von rund 150 Millionen Euro.
Lenzing-Aktie: Aktionäre stellen kritische Fragen
„Hier ist ein großes, sinkendes Schiff unterwegs, das einmal Weltmarktführer war“, eröffnete ein Aktionär bei der außerordentlichen Hauptversammlung die Aussprache und hinterfragte, wohin denn eigentlich die 400 Millionen Euro aus der letzten Kapitalerhöhung von 2023/24 geflossen seien. Weiters wollte er wissen, ob bei der neuen Kapitalerhöhung jemand Neuer einsteigen werde.
Das ließ auch andere Aktionäre nachfragen, was denn mit den jungen Lenzing-Aktien, auf denen das Bankenkonsortium eventuell sitzen bleibt, geschehe sowie, ob Suzano bei einem derartigen Szenario eventuell ihre Option gegenüber B&C ausüben und damit zum neuen, bestimmenden Lenzing-Aktionär aufsteigen könne.
Ein Ex-Lenzing-Mitarbeiter und aktuell lokaler Unternehmer bezeichnete Lenzing als „Leuchtturm der Region“ und wünschte sich, dass dieser weiterhin hell leuchtet. Dafür regte er eine Kapitalerhöhung von 400 bis 500 statt 300 Millionen Euro an. Ein bekannter oberösterreichischer Aktionär verwies auf die erfolgreiche KTM-Sanierung und wollte wissen, wie viele Management-Ebenen denn bei Lenzing eingespart werden würden. Außerdem interessierte ihn der durch die Schließungen ausgelöste voraussichtliche Umsatzrückgang je Standort.
Vorstand lässt wichtige Aktionärsfragen offen
Die Beantwortung der Aktionärsfragen erfolgte, ähnlich wie bei der ordentlichen Hauptversammlung im April, sehr formell, durch Ablesen vom Bildschirm, und manches Mal auch am Kern der Frage vorbei: Zum Optionsrecht von Suzano wollten weder CFO noch AR-Vorsitzender etwas sagen; das sei – no na! – Sache von Suzano. Das Bankenkonsortium werde auf keinen jungen Lenzing-Aktien „sitzen“ bleiben, aufgrund des vorgesehenen Bezugsrechtshandels (?)!
Die Einsparung von Managementebenen bei Lenzing und der Umsatz je Werk wurden nicht beantwortet. Eine höhere Kapitalerhöhung als 300 Millionen Euro sei aufgrund der Balance von Eigen- und Fremdkapital nicht möglich. Insgesamt ist es Vorstand und Aufsichtsrat nicht gelungen, dem privaten Aktionariat eine Aufbruchstimmung zu vermitteln. So wurde bereits nach zwei Stunden der „Schluss der Generaldebatte“ verkündet und zu den Abstimmungen geschritten.
Lenzing-Kapitalerhöhung: Sollen Aktionäre mitziehen?
Beide Tagesordnungspunkte wurden bei der Hauptversammlung mit mehr als 98 % der vertretenen Stimmen angenommen. Damals verließen die Lenzing-Aktionäre die Veranstaltung mit vielen offenen Fragen. Inzwischen sind die konkreten Bedingungen der Kapitalerhöhung bekannt.
Bis 20. Oktober müssen Aktionäre entscheiden, ob sie neue Lenzing-Aktien beziehen wollen. Wer seine Bezugsrechte verkaufen möchte, muss bereits bis zum 14. Oktober handeln. Ob sich eine Teilnahme an der Kapitalerhöhung lohnt, hängt neben dem Bezugspreis vor allem von den weiteren Geschäftsaussichten und der erfolgreichen Umsetzung der Restrukturierung ab.
Dr. Michael Knap berichtete live aus der Hauptversammlung am 25. August 2026. Aktualisierung vom 12. Oktober 2026.
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:
Chemie-Aktien vor dem Comeback? Diese 7 europäischen Titel im Check
Diese Unternehmen zählen zu den ESG-Vorreitern an der Wiener Börse
Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse – Ranking, Geschichte & Bedeutung
