Lenzing-Aktie: Kommt nach dem Kurssturz die Trendwende?
Erstveröffentlichung: 25.08.2026. Aktualisierung vom 22.10.2026.
Der Oktober war kein einfacher Monat für Lenzing. Die angekündigte Kapitalerhöhung sorgte für einen starken Kursrücksetzer. Notierte die Aktie Ende September bei knapp mehr als 20 €, waren es vor wenigen Tagen rund 10 €. Am 21. Oktober war es schließlich so weit: 34.756.362 neue Lenzing-Aktien wurden zu einem Bezugspreis von 8,65 € ausgegeben. Der Bruttoerlös betrug 301,2 Millionen Euro.
Die Kapitalerhöhung wurde nahezu vollständig gezeichnet: Bestehende Aktionäre bezogen 99 % der angebotenen Aktien über ihre Bezugsrechte. Mit dem frischen Kapital will Lenzing seine Finanzstruktur stärken und die Restrukturierung vorantreiben. Ob damit auch die Trendwende bei der Aktie gelingt, bleibt allerdings offen.
Was die Kapitalerhöhung für Lenzing-Aktionäre bedeutet
Die Kapitalerhöhung erfolgte im Bezugsverhältnis 10:9. Für jeweils zehn bestehende Aktien konnten Aktionäre neun neue Aktien zu 8,65 € erwerben.
Dadurch stieg die Zahl der ausgegebenen Aktien von rund 38,6 auf 73,4 Millionen. Für Aktionäre, die ihre Bezugsrechte weder ausübten noch verkauften, verringerte sich der prozentuelle Unternehmensanteil um rund 47 %. Wer seine Bezugsrechte vollständig ausübte, konnte seine Beteiligungsquote hingegen grundsätzlich erhalten.
Die Kernaktionäre unterstützten die Kapitalmaßnahme. Das Syndikat aus der B&C-Gruppe und dem brasilianischen Zellstoffkonzern Suzano zeichnete rund 52 % des Bezugsangebots, die Oberbank weitere knapp 4 %. Nach den zuvor veröffentlichten Angaben soll die indirekte Beteiligung der B&C-Gruppe rund 39,64 % und jene von Suzano rund 12,60 % betragen.
Lenzing-Aktie: Raiffeisen nennt Kursziel von 11,50 €
Auch das Umfeld bleibt schwierig. Gregor Koppensteiner, Analyst bei Raiffeisen Research, stuft die Lenzing-Aktie mit „Halten“ ein. Sein Kursziel liegt bei 11,50 €.
Der globale Bekleidungs- und Textilmarkt sei von einer vorsichtigen Konsumentenstimmung und hoher Preissensitivität geprägt. „Gleichzeitig begrenzen Überkapazitäten und die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit asiatischer Hersteller die Auslastung und Preissetzung im Markt für Cellulosefasern“, erklärt Koppensteiner.
Der Raiffeisen-Experte sieht aber auch positive Entwicklungen. So sei das Vliesstoffgeschäft robuster, etwa bei Hygiene-, Reinigungs- und sicherheitstechnischen Anwendungen. „Dort unterstützen Kundenanforderungen, Markenverpflichtungen und Regularien den Einsatz.“ Die strukturellen Absatzchancen seien jedoch von der kurzfristigen Textilkonjunktur und dem Wettbewerbsdruck zu unterscheiden.
Insgesamt bleibt Lenzing für Koppensteiner eine langfristige Erholungsgeschichte für geduldige Aktionäre.
Neue Strategie soll Lenzing profitabler machen
Mit der Ende Juli vorgestellten Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ konkretisiert Lenzing seine Neuausrichtung hin zu einem weniger zyklischen und profitableren Geschäftsportfolio. Hintergrund sind anhaltende Überkapazitäten, die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit asiatischer Hersteller und eine geringere Zahlungsbereitschaft für nachhaltigkeitsbasierte Differenzierung im Textilgeschäft.
Mittelfristig strebt der Konzern einen Umsatzmix von jeweils rund 30 % für Textilien, Vliesstoffe und Zellstoff sowie rund 10 % für sonstige Aktivitäten an.
Teil des Umbaus ist die geplante Schließung von drei Produktionsstandorten in Indonesien, im britischen Grimsby und in Heiligenkreuz im Burgenland. Dadurch wird der Umsatz zunächst zurückgehen. Zudem rechnet Lenzing mit Wertminderungen von bis zu 150 Millionen Euro und Restrukturierungsrückstellungen von rund 40 Millionen Euro.
Lenzing plant Einsparungen von 120 Millionen Euro
Das Restrukturierungsprogramm sieht Einsparungen von insgesamt 120 Millionen Euro vor. Rund 30 Millionen Euro sollen durch operative Verbesserungen an den Produktionsstandorten erzielt werden, etwa durch höhere Energieeffizienz und einen geringeren Ressourcenverbrauch.
Weitere rund 40 Millionen Euro entfallen auf Verwaltungsmaßnahmen und Effizienzsteigerungen, etwa 45 Millionen Euro auf den Personalabbau.
„Von dem 120-Millionen-Euro-Programm sind bereits rund 25 Millionen Euro vollständig realisiert und tragen zur aktuellen Profitabilität bei“, erklärte CFO Matthias Breuer im Investor Call zum Halbjahresergebnis.
Lenzing will EBITDA-Marge auf 20 bis 25 % steigern
Mit dem Konzernumbau verfolgt Lenzing ambitionierte Finanzziele. Mittelfristig soll die EBITDA-Marge auf 20 bis 25 % steigen. Ende Juni 2026 lag sie bei rund 19 %.
Zugleich will das Unternehmen den Verschuldungsgrad von 3,3 Ende 2025 auf unter 2,5 senken. Das EBITDA soll durch die strategischen Maßnahmen um rund 150 Millionen Euro verbessert werden.
Zusätzlichen finanziellen Spielraum sollen neue Finanzierungsvereinbarungen von bis zu 300 Millionen Euro sowie die vorgesehene Verlängerung bestehender Finanzverbindlichkeiten bis 2030 schaffen.
Entscheidend wird sein, ob Lenzing die geplanten Einsparungen tatsächlich realisieren und seine Profitabilität trotz des schwierigen Marktumfelds nachhaltig verbessern kann.
Lenzing-Aktie: Welche Chancen und Risiken bleiben?
Chancen: Die Kapitalerhöhung stärkt die Eigenkapitalbasis und verringert den Finanzierungsdruck. Der Ausbau des Vliesstoffgeschäfts, die geplanten Einsparungen und eine mögliche Erholung der Textilnachfrage könnten die Erträge mittelfristig verbessern.
Risiken: Der Konzernumbau ist kostspielig und sein Erfolg noch ungewiss. Überkapazitäten, Preisdruck und die Konkurrenz asiatischer Hersteller bleiben Herausforderungen. Zudem verteilen sich künftige Gewinne durch die Kapitalerhöhung auf deutlich mehr Aktien.
Autoren: Raja Korinek, Christian Sec
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