KI-Aktien: Neue Chancen bei Hardware- und Speicherspezialisten
Nicht nur Nvidia profitiert vom KI-Boom. Speicherhersteller wie Seagate und Western Digital melden stark steigende Umsätze. Doch wie lange hält die Nachfrage nach KI-Hardware an?
(26.06.2026, aktualisiert am 04.11.2026) Der KI-Boom an der Börse geht weiter. Nachdem in der ersten Phase vor allem Hersteller von KI-Chips wie Nvidia, Broadcom oder Micron Technology im Mittelpunkt standen, rücken zunehmend weitere Unternehmen der KI-Wertschöpfungskette in den Fokus. Dazu zählen insbesondere Anbieter von Speicherlösungen und anderer Hardware für Rechenzentren.
KI-Hardware-Aktien: Seagate und Western Digital profitieren
Bernhard Ruttenstorfer, Fondsmanager des Espa Stock Techno, bezeichnet Unternehmen wie die Anbieter von Massenspeicherlösungen Seagate und Western Digital als die „Werkzeughersteller des KI-Booms“. „Auch ihr Geschäft wächst aufgrund der breiten Nachfrage und hohen Investitionen extrem“, sagte er im Gespräch mit dem Börsen-Kurier im Juni 2026 und verwies auf die bereits damals bis Ende 2027 vollen Orderbücher der Anbieter.
Western Digital: Bis zu 76 % Kurspotential
Western Digital zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Festplatten und konzentriert sich seit der Abspaltung des Flash-Speichergeschäfts im Februar 2025 auf hochkapazitive Datenspeicher. Zu den wichtigsten Kunden zählen große Cloud- und Rechenzentrumsbetreiber. Der KI-Boom lässt den Bedarf an Speicherplatz kräftig steigen, wovon Western Digital profitiert. Die jüngsten Geschäftszahlen bestätigen die starke Nachfrage. Western Digital steigerte den Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 um 55 % auf 4,38 Milliarden US-Dollar. Die bereinigte Bruttomarge erreichte 58,1 %. Für das laufende zweite Geschäftsquartal erwartet der Konzern einen Umsatz von rund 5,1 Milliarden US-Dollar.
Trotz des deutlichen Kursrückgangs bleibt die Mehrheit der Analysten für Western Digital optimistisch. Laut Investing.com empfehlen 21 von 26 Analysten die Aktie zum Kauf, fünf raten zum Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 613,38 US-Dollar und damit rund 77 % über dem Schlusskurs vom 3. November. Allerdings haben mehrere Investmentbanken ihre Kursziele zuletzt reduziert. Die hohen Wachstumserwartungen bleiben damit ein Risiko.
Seagate Technology: Bis zu 72 Prozent Kurschance
Auch Seagate Technology, einer der weltweit führenden Hersteller hochkapazitiver Festplatten für Cloud-Anbieter und Rechenzentren, profitiert vom steigenden Speicherbedarf durch Künstliche Intelligenz. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 erzielte der Konzern einen Umsatz von 4,2 Milliarden US-Dollar und einen freien Cashflow von 1,5 Milliarden US-Dollar. An der Börse geriet die Aktie dennoch zuletzt deutlich unter Druck. Die Analysten bleiben überwiegend zuversichtlich: Laut MarketBeat empfehlen 23 von 28 Experten den Kauf, fünf raten zum Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 1.001 US-Dollar. Besonders optimistisch ist Baird, das sein Kursziel Ende Oktober von 1.080 auf 1.350 US-Dollar anhob. Citi reduzierte dagegen sein Kursziel von 1.300 auf 1.050 US-Dollar, bestätigte aber die Kaufempfehlung. Zu den Risiken zählen die hohe Bewertung und eine mögliche Ausweitung der Produktionskapazitäten im Festplattenmarkt.
KI-Infrastruktur: Rechtfertigen die Umsätze die Milliardeninvestitionen?
Neben den rasant steigenden Nutzerzahlen wird der Boom auch von den enormen Summen befeuert, die US-Tech-Konzerne wie Google, Microsoft, Amazon oder Oracle in KI und KI-Infrastruktur investieren. Bereits im Juni wurde für 2026 ein Investitionsvolumen von 670 Milliarden US-Dollar und für 2027 ein weiterer Anstieg auf 790 Milliarden US-Dollar erwartet. Die entscheidende Frage bleibt, ob sich diese Ausgaben langfristig rechnen.
Für Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, kommt es darauf an, ob Cloud-Dienste, Unternehmenssoftware, KI-Abonnements und neue Anwendungen ausreichend zusätzliche Erlöse bringen, um die hohen Investitionen zu rechtfertigen. Verläuft die Monetarisierung langsamer, könnten Unternehmen ihre Investitionen kürzen, was Folgen für die gesamte KI-Wertschöpfungskette hätte, warnte der Experte bereits im Sommer.
Auch Ruttenstorfer betonte, wie wichtig es sei, dass die Kunden der „Werkzeughersteller“ von ihren Investitionen tatsächlich profitieren. „Während das vor einem Jahr noch nicht so klar war, sehen wir jetzt, dass sich das Umsatzwachstum im Cloud- und KI-Bereich mehr und mehr beschleunigt“, erklärte er im Juni. Als Beispiel nannte er Google. Der Tech-Konzern hatte im ersten Quartal 2026 im Cloud-Geschäft ein Umsatzplus von mehr als 60 % erzielt. Eine ähnliche Entwicklung beobachtete er bei Amazon und Microsoft.
Welche Unternehmen vom steigenden Strombedarf der Rechenzentren profitieren, lesen Sie in unserem Überblick über Aktien aus dem Bereich erneuerbare Energien.
Welche KI-Aktien können langfristig profitieren?
Wie können Anleger künftige Gewinner ausfindig machen? Ruttenstorfer analysiert, in welchen Bereichen der KI-Wertschöpfungskette die Nachfrage am größten ist und welche Märkte unterversorgt sind. „Dort haben die Anbieter die Möglichkeit, nicht nur das Volumen zu steigern, sondern auch die Preise zu erhöhen“, erklärt er. Galler empfiehlt Anlegern, sich auch mit der breiteren Wertschöpfungskette zu beschäftigen. Dazu zählen Energieerzeugung, Kühlung, elektrische Komponenten sowie Bau- und Ingenieurleistungen.
Für Anleger sind damit nicht nur die Hersteller von KI-Chips interessant. Auch Unternehmen, die Rechenzentren mit Speichertechnik, Stromversorgung oder Kühlsystemen ausstatten, können vom weiteren Ausbau profitieren. Allerdings sind stark steigende Umsätze nicht automatisch ein Argument für den Kauf einer Aktie. Entscheidend bleiben die Bewertung, die künftige Gewinnentwicklung und die Frage, wie viel Wachstum bereits im Aktienkurs enthalten ist.
Wie stark auch österreichische Unternehmen vom Ausbau der KI-Infrastruktur profitieren, zeigt unsere Analyse zur Infineon-Aktie und den neuen Investitionen in Villach.
OpenAI und Anthropic: Neue KI-Aktien vor dem Börsengang
Auch bei den Entwicklern großer KI-Modelle gibt es neue Entwicklungen. Besonders im Fokus stehen OpenAI und Anthropic. Das Unternehmen hat am 26. Oktober 2026 einen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und diesen am 2. November aktualisiert. Das Unternehmen, das hinter dem KI-Assistenten Claude steht, meldete für die ersten neun Monate 2026 einen Umsatz von 33,2 Milliarden US-Dollar, schreibt allerdings weiterhin hohe Verluste.
Auch OpenAI bereitet einen Börsengang vor. Das Unternehmen hat bereits im Juni einen vertraulichen Antrag gestellt. Ein verbindlicher Termin und die endgültige Bewertung stehen jedoch noch nicht fest. Die möglichen Börsengänge könnten Anlegern neue Möglichkeiten eröffnen, direkt in Entwickler von KI-Modellen zu investieren. Gleichzeitig dürften die hohen Bewertungen und die enormen Infrastrukturkosten eine zentrale Rolle bei der Beurteilung der Aktien spielen.
Fazit: KI-Hardware-Aktien bieten Chancen, aber keine Garantien
Die jüngsten Zahlen von Seagate und Western Digital zeigen, wie stark die Nachfrage nach Speicherlösungen für Rechenzentren inzwischen ist. Für Anleger lohnt es sich daher, nicht nur auf Nvidia und andere Chiphersteller zu achten, sondern die gesamte KI-Wertschöpfungskette zu betrachten.
Ob die Aktien langfristig attraktiv bleiben, hängt allerdings davon ab, ob die hohen Investitionen der Technologiekonzerne auch entsprechende Erträge bringen. Denn selbst Unternehmen mit starkem Umsatzwachstum können an der Börse enttäuschen, wenn die Erwartungen zu hoch sind.
Autor: Mag. Patrick Baldia
Foto: AdobeStock / Dola
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