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Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV): Wann ist eine Aktie günstig?

Kurzfassung

  • Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) zeigt, ob eine Aktie unter oder über Buchwert notiert – aber es ist nur ein grober Indikator.
  • Beispiele wie OMV, Voestalpine, AT&S und Andritz zeigen: Analysten bewerten oft völlig anders als das KBV vermuten lässt.
  • Immaterielle Werte wie Patente, Marken und Know-how verzerren den Buchwert erheblich.
  • Zukunftskennzahlen wie Book-to-Bill sind oft aussagekräftiger als der reine Buchwert.
  • Hohe Renditeerwartungen – etwa bei der Bawag – können ein hohes KBV rechtfertigen.

Was ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)?

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis, kurz KBV, gehört zu den klassischen Kennzahlen zur Bewertung von Aktien. Es zeigt, wie der Markt ein Unternehmen im Verhältnis zu seinem bilanziellen Eigenkapital bewertet.

Vereinfacht ausgedrückt:

KBV = Börsenwert ÷ Buchwert des Eigenkapitals

Ein KBV von 1 bedeutet, dass ein Unternehmen an der Börse ungefähr mit seinem bilanziellen Eigenkapital bewertet wird. Bei einem KBV von 2 beträgt der Börsenwert das Doppelte des Buchwerts.

Für Anleger stellt sich damit die Frage: Ist eine Aktie mit einem KBV unter 1 automatisch günstig – und eine Aktie mit einem hohen KBV teuer?

So einfach ist es nicht.

Was bedeutet ein KBV unter 1?

Bei einem KBV unter 1 liegt der Börsenwert eines Unternehmens unter seinem bilanziellen Eigenkapital. Auf den ersten Blick kann das auf eine Unterbewertung hindeuten.

An der Wiener Börse finden sich dafür Beispiele. So wurde die OMV zuletzt unter ihrem Buchwert bewertet, auch bei Voestalpine lag das KBV in der Nähe dieser Schwelle.

Doch ein niedriges KBV kann unterschiedliche Ursachen haben. Der Markt kann beispielsweise schwächere Gewinne, hohe Investitionen, Branchenrisiken oder eine niedrige künftige Rentabilität erwarten.

Ein KBV unter 1 ist deshalb ein möglicher Hinweis auf eine günstige Bewertung – aber noch kein Kaufsignal.

Warum ein hohes KBV nicht automatisch teuer ist

Umgekehrt muss eine Aktie mit einem hohen Kurs-Buchwert-Verhältnis nicht überbewertet sein.

Das zeigt etwa AT&S. Der Leiterplattenhersteller wurde zuletzt mit einem Vielfachen seines Buchwerts bewertet. Auch beim Maschinenbauer Andritz liegt der Börsenwert deutlich über dem bilanziellen Eigenkapital.

Dass Investoren bereit sind, deutlich mehr als den Buchwert zu bezahlen, kann gute Gründe haben. Entscheidend ist, welche Gewinne und Renditen ein Unternehmen künftig mit seinem Kapital erwirtschaften kann.

Ein profitables Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten kann daher ein deutlich höheres KBV rechtfertigen als ein Unternehmen, das sein Eigenkapital nur schwach verzinst.

Wo liegen die Schwächen des KBV?

Der Buchwert bildet nicht zwangsläufig den tatsächlichen wirtschaftlichen Wert eines Unternehmens ab.

Besonders deutlich wird das bei Unternehmen, deren Wert stark auf Patenten, Marken, Software, Forschung oder Know-how beruht. Solche immateriellen Werte werden in der Bilanz nur teilweise erfasst.

Das KBV blickt außerdem auf den bilanziellen Ist-Zustand. Es sagt wenig darüber aus, wie sich Umsatz, Gewinne und Cashflows künftig entwickeln werden.

Eine Aktie kann deshalb trotz niedrigen KBV teuer sein, wenn die Gewinne dauerhaft sinken. Umgekehrt kann ein Unternehmen mit hohem KBV attraktiv bewertet sein, wenn es hohe Renditen erzielt und stark wächst.

Bei welchen Aktien ist das KBV besonders aussagekräftig?

Wie wichtig das Kurs-Buchwert-Verhältnis ist, hängt stark von der Branche ab.

Bei Banken und anderen Finanzunternehmen spielt der Buchwert traditionell eine größere Rolle, weil ein wesentlicher Teil ihrer Vermögenswerte und Verbindlichkeiten in der Bilanz abgebildet wird.

Doch auch hier sollte das KBV gemeinsam mit der Profitabilität betrachtet werden.

Ein Beispiel ist die Bawag. Ihr Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt deutlich über dem Buchwert. Gleichzeitig erwarten Analysten eine sehr hohe Eigenkapitalrendite. Eine hohe Profitabilität kann daher auch eine entsprechend höhere Bewertung rechtfertigen.

Ähnliches zeigt die Entwicklung der Erste Group Bank: 2022 und 2023 lag ihre Bewertung noch unter dem Buchwert. Inzwischen liegt die Marktkapitalisierung deutlich darüber.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: Wie hoch ist das KBV?

Sondern auch: Welche Rendite erwirtschaftet das Unternehmen mit seinem Eigenkapital?

KBV nie isoliert betrachten

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis kann Anlegern eine erste Orientierung geben. Für sich allein reicht die Kennzahl jedoch nicht aus, um zu entscheiden, ob eine Aktie günstig oder teuer ist.

Je nach Unternehmen sollten weitere Kennzahlen hinzukommen, beispielsweise:

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
  • EV/EBIT
  • Eigenkapitalrendite (ROE)
  • Verschuldung
  • Free Cashflow
  • Gewinn- und Wachstumsaussichten

Besonders aufschlussreich ist die Kombination aus Bewertung und Profitabilität. Ein niedriges KBV bei dauerhaft schwacher Eigenkapitalrendite kann ein Warnsignal sein. Ein höheres KBV kann dagegen gerechtfertigt sein, wenn ein Unternehmen hohe und nachhaltige Renditen erwirtschaftet.

→ Wie Anleger verschiedene Bewertungskennzahlen kombinieren und echte Kaufchancen von sogenannten Value Traps unterscheiden können, zeigt unser Leitfaden „Unterbewertete Aktien finden“.

Fazit: Wann spricht das KBV für eine günstige Aktie?

Ein niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis kann ein erster Hinweis auf eine unterbewertete Aktie sein. Es beantwortet aber nicht die entscheidende Frage, warum der Markt ein Unternehmen niedrig bewertet.

Für Anleger gilt daher:

KBV unter 1 + schwache Profitabilität = nicht automatisch günstig.

Höheres KBV + hohe nachhaltige Rendite = nicht automatisch teuer.

Erst gemeinsam mit Profitabilität, Bilanzqualität und Geschäftsaussichten wird das Kurs-Buchwert-Verhältnis zu einer aussagekräftigen Kennzahl für die Aktienbewertung.

Autor: Christian Sec

 

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