Wiener Aktien mit Potenzial 2026: Drei ATX‑Prime‑Nachzügler mit Aufholchance
19.06.2026
Kurzzusammenfassung
- Drei ATX‑Prime‑Nachzügler 2026 zeigen trotz schwachem Jahresstart Aufholpotenzial
- Wienerberger: Belastungsfaktoren kurzfristig, Fundamentaldaten und Bewertung langfristig attraktiv
- EuroTeleSites: Stabiler Cashflow, neue Standorte, mögliche Neubewertung
- Palfinger: Analysten sehen starke Wachstumsperspektiven
Der ATX Prime lag zu Beginn der Woche auf Jahressicht 43 % und seit Jahresbeginn 19 % im Plus. Elf Titel notieren auf Sicht von zwölf Monaten dennoch im Minus. Nicht alle haben Aufholpotenzial. Drei Werte verdienen daher einen genaueren Blick.
Wienerberger: Bewertungsdruck trotz starker Fundamentaldaten
Aktuelle Belastungsfaktoren
Schlusslicht im ATX mit rund minus 20 Prozent seit Jahresbeginn ist die Aktie von Wienerberger. Noch 2025 konnte das Unternehmen bei leichtem Umsatzanstieg den Gewinn nach Steuern auf 168 Millionen Euro verdoppeln und den freien Cashflow von 417 auf 474 Millionen Euro steigern. Auf die vereinbarte Übernahme der Italcer-Gruppe, eines Herstellers keramischer Lösungen, folgte wenige Monate später die geplante Übernahme der Univerzum Group, des führenden Herstellers von Hintermauerziegeln in Serbien.
Doch bereits mit der Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Quartal zeigte sich zunehmende Unsicherheit, auch im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten und möglichen Lieferkettenverwerfungen. Zwar sind die gestiegenen Energiekosten laut Medienberichten zu über 80 % abgesichert, doch der Konzern spürt höhere Kunststoffpreise. Steigende Material-, Transport- und Lohnkosten belasten. Bei 7 % Umsatzrückgang drehte im ersten Quartal das Ebit von +40 auf -2 Millionen Euro ins Minus.
Bewertung & KGV‑Einordnung bis 2028
Allerdings stimmt der westeuropäische Markt zuversichtlich, und es besteht noch die Möglichkeit von Preiserhöhungen, weshalb das Management im Mai noch an seinem operativen Ebitda-Ziel von 810 Millionen Euro (2025: 754 Millionen Euro) festhielt.
Laut MarketScreener rechnen Analysten in den kommenden Jahren mit deutlichen Ertragssteigerungen, weshalb die Aktie bei einem Kurs von 23,3 Euro mit einem für 2028 geschätzten KGV von 7,8 besonders günstig erscheint.
EuroTeleSites: Infrastrukturwert mit Neubewertungsfantasie
Cashflows und Geschäftsmodell
Die Aktie der an der Wiener Börse notierenden EuroTeleSites, dem führenden Anbieters von Telekommunikationsinfrastruktur und -lösungen in der CEE-Region, liegt auf Jahressicht rund 9 % im Minus. Das Unternehmen profitiert von regelmäßigen Cashflows aus technischer Infrastruktur und konnte 2025 den Umsatz um 3,7 % auf 280 Millionen Euro steigern, während das Jahresergebnis von knapp 30 auf mehr als 33 Millionen Euro stieg.
Wachstum durch neue Standorte
Im ersten Quartal 2026 erweiterte das Unternehmen sein Portfolio durch die Inbetriebnahme von 42 neuen Standorten auf insgesamt 13.837. Dies und Indexierungseffekte ließen im ersten Quartal bei einem Umsatzwachstum von 7,1 % auf 72,5 Millionen Euro das Ebitda um 7,9 % auf 64,3 Millionen Euro steigen. Die Eigenkapitalquote hat sich binnen zwölf Monaten (bis 31. März) von 17,1 auf 19,9 % verbessert. Mit einem weiteren Schuldenabbau sollte eine positive Bewertungsanpassung einhergehen.
Bewertungsszenarien laut Analysten
Abgeleitet aus den Analystenprognosedaten von Finanzen.at läge bei einem Kurs von 4,7 Euro das für 2028 erwartete KGV bei 14,8, wobei Neubewertungen von Sachanlagen nicht berücksichtigt wurden.
Palfinger: Wachstumswert mit Analysten‑Rückenwind
Marktumfeld und Nachfrage
Die Analysten attestieren dem Kranhersteller Palfinger starke Wachstumsperspektiven. Vier Kaufempfehlungen stehen einer Outperform-Einstufung gegenüber. Von 2026 bis 2028 sollte laut MarketScreener-Konsens der Gewinn je Aktie von 2,95 auf 4,24 Euro wachsen, woraus bei einem Kurs von 34,6 Euro ein für 2028 geschätztes KGV von 8,1 resultieren würde.
Analystenstimmen und Ratings
Im ersten Quartal 2026 schloss Palfinger mit dem US-Unternehmen ICON eine Partnerschaft im Bereich des robotergestützten 3D-Drucks für die Bauindustrie. Im Marine-Bereich setzte sich mit Großprojekten im Offshore-Windbereich die positive Entwicklung fort. Bei 1,6 % Umsatzwachstum konnte im ersten Quartal das Konzernergebnis um 11,8 % gesteigert werden. Nach der aktuellen Seitwärtsbewegung könnte der Aktienkurs wieder nach oben ausbrechen.
Autor: Michael Kordovsky
Foto: AdobeStock / Filipefrazao
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