ATX Kaufempfehlung: Die spannendsten Aktien im Oktober 2026 an der Wiener Börse
Nach der starken Kursrally an der Wiener Börse stellt sich für Anleger die Frage, welche ATX-Aktien noch Kurspotenzial bieten. Analysten setzen auf profitable Banken, Versicherungen und ausgewählte Industriewerte. Doch die Risiken steigen.
Aktualisiert: 9. Oktober 2026
Inhaltsverzeichnis
ATX Prognose 2026: Wie viel Potenzial bleibt?
Welche ATX-Aktien Analysten zum Kauf empfehlen
- Erste Group: Bankenaktie mit starkem Osteuropa-Geschäft
- Vienna Insurance Group: Gewinnwachstum und Dividenden
- Andritz: Wachstum durch Energie- und Umwelttechnik
- PORR: Potenzial durch Infrastrukturinvestitionen
- SBO: Ölservice-Aktie mit hohem Risiko
- Agrana: Ergebniswende statt defensiver Dividendenwert
Zinsen, Energiepreise und Konjunktur: Was den ATX beeinflusst
ATX-Aktien kaufen: Worauf Anleger jetzt achten sollten
Fazit: Welche ATX-Aktien haben noch Potenzial?
ATX-Entwicklung 2026: Hohe Kursgewinne, steigende Risiken
Der österreichische Aktienmarkt zählt auch 2026 zu den stärkeren Börsen Europas. Bereits 2025 hatte der Aktienindex der Wiener Börse, der ATX mit einem Kursplus von 45,41 % sein bestes Börsenjahr seit 2005 verzeichnet. Im ersten Halbjahr 2026 legte der Leitindex um weitere rund 20 % zu.
Die Aufwärtsbewegung setzte sich zunächst fort. Anfang Oktober erreichte der ATX ein Jahreshoch von 7.043 Punkten. Danach kam es zu deutlichen Gewinnmitnahmen. Am 8. Oktober schloss der Index bei 6.560,57 Punkten.
Für Anleger stellt sich damit eine entscheidende Frage: Welche ATX-Aktien sind nach den starken Kursanstiegen noch kaufenswert?
Dabei lohnt sich der Blick auf Unternehmen, deren Gewinne weiter steigen könnten, die im Branchenvergleich günstig bewertet sind oder von einer Erholung ihrer Märkte profitieren dürften.
ATX Kaufempfehlungen: Aktien im Überblick
| Aktie | Was für den Titel spricht | Wichtigstes Risiko |
|---|---|---|
| Erste Group | Profitabilität und Wachstum in CEE | Zinsen und Kreditrisiken |
| Vienna Insurance Group | Gewinnwachstum und Dividenden | Höhere Schadensbelastung |
| Andritz | Auftragsbestand und Umwelttechnik | Schwache Industriekonjunktur |
| PORR | Infrastruktur und Bauinvestitionen | Projektkosten und Margen |
| SBO | Erholung der Ölservice-Nachfrage | Ölpreis und Investitionszyklen |
| Agrana | Mögliche Ergebniswende | Zucker- und Energiepreise |
Die Übersicht zeigt die wesentlichen Investmentthesen und Risiken. Sie ist keine Rangliste nach aktuellem Kurspotenzial. Nicht für alle Unternehmen liegen gleichermaßen aktuelle, verifizierte Analystenempfehlungen vor.
ATX: Kursrückgang seit Jahreshoch
Nach den kräftigen Kursgewinnen der vergangenen beiden Jahre sind die Erwartungen an die Unternehmen gestiegen. Der ATX erreichte Anfang Oktober mit 7.043 Punkten einen neuen Jahreshöchststand, bevor der Index deutlich zurückfiel.
Am 8. Oktober lag er bei 6.560,57 Punkten. Das entspricht einem Rückgang von knapp 7 % gegenüber dem Jahreshoch.
Die Korrektur zeigt, dass auch der Wiener Aktienmarkt anfällig für Gewinnmitnahmen bleibt. Gleichzeitig sind die Perspektiven der einzelnen Unternehmen unterschiedlich.
Für die weitere ATX-Entwicklung sind vor allem vier Faktoren entscheidend:
- Unternehmensgewinne: Können Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen ihre Ergebnisse weiter steigern?
- Zinsen: Wie stark belasten höhere Finanzierungskosten die Unternehmen?
- Energiepreise: Welche Folgen haben hohe Öl- und Gaspreise für Produktion, Konsum und Inflation?
- CEE-Wachstum: Können österreichische Unternehmen weiterhin von ihren starken Marktpositionen in Zentral- und Osteuropa profitieren?
Eine pauschale ATX-Kursprognose greift deshalb zu kurz. Entscheidend ist, ob die erwarteten Unternehmensgewinne die bereits gestiegenen Bewertungen rechtfertigen.
Welche ATX-Aktien Analysten zum Kauf empfehlen
1. Finanzbranche
Erste Group: Polen-Expansion bringt neuen Wachstumsschub
Die Erste Group zählt zu den profitabelsten Bankkonzernen in Zentral- und Osteuropa. Mit der Übernahme der Erste Bank Polska hat der Konzern seine Marktposition weiter ausgebaut. Auch das bestehende Geschäft wächst kräftig.
Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Betriebserträge stärker als die Kosten. Die Kosten-Ertrags-Relation verbesserte sich von 47,7 auf 44,4 %. Zwar sorgte die erstmalige Einbeziehung der polnischen Bank für einen deutlichen Ertragssprung, doch auch ohne diesen Effekt legten der Zinsüberschuss um 6,1 % und der Provisionsüberschuss um 8,8 % zu.
Gleichzeitig verbesserte sich die Kreditqualität: Der Anteil notleidender Kredite (NPL-Ratio) sank gegenüber dem Vorjahr von 2,5 auf 2,3 %.
Was für die Erste-Group-Aktie spricht:
- Polen-Expansion: Die Erste Bank Polska liefert zusätzliche Erträge und eröffnet neue Wachstumsmöglichkeiten.
- Steigende Profitabilität: Die Kosten wachsen langsamer als die Erträge.
- Solide Kreditqualität: Der Anteil notleidender Kredite ist weiter gesunken.
- Ambitionierte Gewinnziele: Bis 2030 will das Management den bereinigten Gewinn je Aktie von 7,72 € (2025) auf mehr als 15 € nahezu verdoppeln.
Auch Analysten rechnen mit deutlichem Gewinnwachstum. Der Konsens von 17 Analysten bei MarketScreener erwartet einen Anstieg des Gewinns je Aktie von 9,84 € im Jahr 2026 auf 12,33 € im Jahr 2028.
Bei einem Aktienkurs von 116,30 € entspräche das für 2028 einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 9,4. Voraussetzung ist allerdings, dass die prognostizierten Gewinne tatsächlich erreicht werden.
Das Risiko: Eine schwächere Konjunktur in Zentral- und Osteuropa, steigende Kreditausfälle oder höhere Integrationskosten in Polen könnten das Gewinnwachstum bremsen.
Vienna Insurance Group: Gewinnwachstum und Dividenden mit Substanz
Die Vienna Insurance Group (VIG) zählt zu den führenden Versicherungsgruppen in Zentral- und Osteuropa. Mit der im Mai 2026 abgeschlossenen Übernahme der Nürnberger Versicherung stärkt der Konzern seine Marktposition in Deutschland. Gleichzeitig setzt sich die positive Ergebnisentwicklung fort.
Auch für Dividendenanleger ist die Aktie der Vienna Insurance Group interessant: Seit dem Börsengang 1994 hat der Versicherer jedes Jahr eine Dividende ausgeschüttet. Für das Geschäftsjahr 2025 stieg sie von 1,55 auf 1,73 € je Aktie. Bei einem Aktienkurs von 65,50 € entspricht das einer Dividendenrendite von 2,64 %.
Was für die VIG-Aktie spricht:
- Gewinnwachstum: Analysten erwarten zwischen 2025 und 2028 einen durchschnittlichen Gewinnanstieg von rund 10 % jährlich.
- Attraktive Bewertung: Auf Basis der erwarteten Gewinne für 2028 ergibt sich ein KGV von rund 7,5.
- Dividendenkontinuität: Seit mehr als 30 Jahren zahlt die VIG ohne Unterbrechung Dividenden
- Expansion: Die Nürnberger-Übernahme stärkt die Position auf dem deutschen Versicherungsmarkt.
Die Kombination aus erwartetem Gewinnwachstum und vergleichsweise niedriger Bewertung könnte der Aktie weiteres Kurspotenzial eröffnen. Voraussetzung ist allerdings, dass die VIG ihre Gewinnziele erreicht und die Integration der Nürnberger erfolgreich verläuft.
Das Risiko: Höhere Schäden durch Naturkatastrophen, steigende Kosten und mögliche Belastungen aus der Übernahme könnten die Profitabilität beeinträchtigen.
2. Industrie & Maschinenbau
Andritz
UBS gibt für den Industrie‑Technologieanbieter Andritz eine Kaufempfehlung aus. Begründung der Empfehlung:
- Nach den Quartalszahlen hat UBS das Kursziel angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt.
- Ausschlaggebend war der starke Auftragseingang, insbesondere die hohe Dynamik im Neugeschäft.
- Die Analysten argumentieren, dass Andritz vom Markt noch immer wie ein klassischer zyklischer Maschinenbauer bewertet werde, obwohl sich das Unternehmen zunehmend zu einem strukturellen Wachstumswert entwickle.
- UBS sieht deshalb weiteres Kurspotenzial.
Die Deutsche Bank Research ist für den steirischen Techkonzern und Maschinenbauer ebenfalls positiv gestimmt und erhöhte ebenfalls ihr Kursziel und bekräftigte die Kaufempfehlung.
Positiv bewertet werden:
- der Rekord-Auftragsbestand,
- erfolgreiche Kostensenkungsmaßnahmen,
- erwartetes Gewinnwachstum in allen vier Geschäftsbereichen.
- Die Analysten sehen die Grundlage für eine nachhaltige Verbesserung von Umsatz und Profitabilität.
Diese Empfehlung wurde ausgesprochen, obwohl bei einem Kunden von Andritz, Schuler, die deutsche Tochtergesellschaft im Segment Metals, die stark von der Automobilindustrie abhängt, 500 Stellen abgebaut werden. Generell verzögert die zyklische Abkühlung der globalen Industrie, im Speziellen der Autoindustrie, derzeit Investitionsentscheidungen, was auch Andritz zu spüren bekommt. Doch gleichzeitig entwickeln sich andere Geschäftsbereiche bei Andritz deutlich besser. Deshalb sind Analysten trotz der negativen Nachrichten insgesamt positiv für die Aktie gestimmt.
Gut entwickeln sich die übrige Andritz-Geschäfte
- Wasserkraft (Hydro)
- Zellstoff & Papier
- Umwelt- und Recyclingtechnik
- Servicegeschäft.
Denn der Konzern profitiert von:
-
- Investitionen in Energie‑ und Umwelttechnik
- steigender Nachfrage nach Recycling‑ und Ressourceneffizienz‑Lösungen
- einer starken Position im Metalltechnik‑Segment
- einem Servicegeschäft, das stabile Cashflows liefert.
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3. Bau & Infrastruktur
PORR – Kurspotenzial nach deutlicher Korrektur
Die PORR-Aktie hat seit Mitte September rund 19 % an Wert verloren. Auslöser des besonders starken Kursrückgangs am 23. September war die Platzierung einer Hybrid-Wandelanleihe über 150 Mio. €. Die damit verbundene Aktienplatzierung zu 33 € führte zu zusätzlichem Verkaufsdruck. Analysten der Raiffeisen Bank International bewerteten den Rückgang überwiegend als technisch bedingt.
Fundamental zeigt sich der österreichische Baukonzern weiterhin robust. Im ersten Halbjahr 2026 stieg das Betriebsergebnis um 15,6 %, der Periodengewinn um 23,9 %. Der Auftragsbestand erreichte 9,84 Mrd. € und sichert die Auslastung für rund eineinhalb Jahre.
Was für PORR spricht:
- Hoher Auftragsbestand: Mit 9,84 Mrd. € verfügt der Konzern über eine gute Auslastung.
- Steigende Profitabilität: Das EBIT wuchs im ersten Halbjahr trotz leicht rückläufiger Umsätze zweistellig.
- Infrastrukturinvestitionen: Bahn-, Energie- und Verkehrsprojekte bieten Wachstumsmöglichkeiten, insbesondere in Deutschland und Zentral- und Osteuropa.
- Kurspotenzial: Die veröffentlichten Analystenkursziele liegen zwischen 36 und 46 € und damit deutlich über dem Kursniveau von Mitte Oktober.
Risiken bestehen im rückläufigen Auftragseingang, der gestiegenen Nettoverschuldung und möglichen Verwässerungseffekten durch die Wandelanleihe. Auch Projektverzögerungen und Kostensteigerungen können die Margen belasten.
Für Anleger bleibt PORR damit ein interessanter, aber konjunktursensitiver Infrastrukturwert. Entscheidend für eine nachhaltige Kurserholung wird sein, ob der Konzern seine hohe Auftragsbasis in steigende Gewinne und einen stärkeren Cashflow umsetzen kann.
- solide Bilanz nach den Restrukturierungsjahren
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4. Energie & Ölservice
SBO – Steigende Aufträge nähren Hoffnung auf Trendwende
Die SBO-Aktie notiert rund 22 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der starke Gewinneinbruch im ersten Halbjahr 2026 und die Unsicherheit über die Investitionen der Öl- und Gasindustrie belasten den Titel. Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen einer operativen Erholung.
Während der Umsatz im ersten Halbjahr um 19,3 % zurückging und der Nettogewinn nahezu vollständig einbrach, stieg der Auftragseingang um 8,5 % auf 235,3 Mio. €. Auch der Auftragsbestand legte deutlich zu. Im zweiten Quartal verbesserte sich das Betriebsergebnis gegenüber dem Vorquartal bereits um 52,2 %.
Was für SBO spricht:
- Trendwende bei den Aufträgen: Der Auftragseingang wächst wieder, der Auftragsbestand liegt 31,7 % über dem Jahresbeginn.
- Technologischer Vorsprung: SBO ist auf hochpräzise Komponenten und Spezialausrüstung für die Energieindustrie spezialisiert.
- Neue Wachstumsmärkte: Geothermie, 3D-Metalldruck und Hochleistungswerkstoffe verringern langfristig die Abhängigkeit vom Öl- und Gasgeschäft.
- Solide Liquidität: Ende Juni verfügte SBO über liquide Mittel von rund 255 Mio. €.
- Kurspotenzial: Das durchschnittliche Analystenkursziel von 34,40 € liegt rund 17 % über dem Kursniveau vom 20. Oktober.
Allerdings bleibt die Erholung mit Risiken verbunden. Die EBITDA-Marge sank im ersten Halbjahr von 17,5 auf 11,8 %, die Nettoverschuldung stieg. Entscheidend ist nun, ob die höheren Auftragseingänge wieder zu steigenden Umsätzen und Gewinnen führen.
Für risikobereite Anleger bleibt SBO eine interessante Turnaround-Spekulation. Bestätigt sich die operative Erholung, könnte die Aktie überdurchschnittlich profitieren. Der nächste wichtige Prüfstein sind die Quartalszahlen am 26. November.
5. Defensiver Wert
Agrana – Stabilität, Dividende, CEE‑Stärke
Agrana bleibt 2026 ein defensiver Stabilitätswert im ATX. Im ersten Quartal 2026 profitierte das Unternehmen von stabileren Zuckerpreisen, während Energiepreise erneut anzogen. Die Stärke des Geschäftsmodells liegt in der breiten Diversifikation über Zucker, Stärke und Frucht.
Agrana bleibt abhängig von:
- Zuckerpreisen
- Energiepreisen
- globalen Agrarrohstofftrends
Doch genau diese Faktoren sind im Kurs weitgehend eingepreist. Für Investoren interessant bleiben:
- stabile Dividendenpolitik
- defensive Positionierung
- starke Marktstellung in CEE
Agrana ist kein Wachstumswert – aber ein verlässlicher Dividendenbringer und ein Titel, der in volatilen Marktphasen Stabilität bietet.
Attraktive Dividendentitel im ATX
Düngemittel-Aktien im Höhenflug: Warum Hersteller jetzt profitieren
Aktuelle Makrotrends, die für ATX-Anleger entscheidend sind
Zinsen
Die EZB‑Politik bleibt der wichtigste Treiber für Bau, Immobilien, Banken und Industrie.
Energiepreise
Volatilität wirkt sich direkt auf SBO, OMV und Agrana aus.
CEE‑Konjunktur
Der ATX profitiert traditionell stark von Osteuropa – ein Vorteil gegenüber vielen westeuropäischen Indizes.
Geopolitik
Lieferketten, Energieabhängigkeiten und regionale Konflikte bleiben Risikofaktoren.
Risiko‑Check 2026
- Tech‑Bewertungen könnten kippen
- Geopolitische Lage bleibt unsicher
- Baukonjunktur in Deutschland schwach
- Energiepreise volatil
Fazit: Wo Anleger im Herbst 2026 Chancen finden
Der ATX bleibt ein Markt für Value‑Investoren, Dividendenjäger und langfristig orientierte Anleger. Underperformer bieten besonders attraktive Chancen, weil:
- der Gesamtmarkt stark gelaufen ist
- so mancher Titel noch Bewertungsabschläge aufweist
- strukturelle Trends (CEE, Energie, Industrie) intakt bleiben.
Wer selektiv vorgeht, findet im ATX 2026 mehrere Nachzügler, die bei einer Normalisierung der Rahmenbedingungen erhebliches Aufholpotenzial haben.
Autoren: Michael Kordovsky. Anneliese Proissl
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